AlexMauer

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Mauerbau auf dem Alex

Fotos vom Mauerbau auf dem Alex

Filme vom Mauerbau auf dem Alex

Texte zur Aktion als pdf

Vor 15 Jahren fiel die Berliner Mauer. Nicht nur für die Menschen in der wiedervereinten Stadt, sondern für alle Menschen symbolisiert der Mauerfall das Ende der Epoche des kalten Krieges und damit nicht zuletzt auch der Teilung Europas. Politisch eng verknüpft mit dem Prozeß der deutschen Wiedervereinigung ist auch Europa in den letzten 15 Jahren zusammengewachsen. Die Europäische Integration macht sich – außer in ökonomischen Fragen – hauptsächlich in der Bewegungsfreiheit der europäischen BürgerInnen bemerkbar. So begrüßenswert diese neue Freiheit ist, so problematisch ist ihre Kehrseite, die europäische Mauer, das Schengen-Migrationsregime. In den 10 Jahren des Existenz des Schengenraumes sind nach offiziellen Angaben 3777 Menschen beim Versuch, nach Europa zu gelangen, ums Leben gekommen. Die Installation „Niemand hat die Absicht....eine Festung Europa zu errichten“ soll die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Kehrseite des europäischen Integrationsprozesses lenken. Dabei sollen keineswegs historische völlig unterschiedliche Grenzregime und ihre Ausrichtung gleichgesetzt werden. Neben der notwendigen Information über die Schattenseite der europäischen Integration und den mit ihr im Zusammenhang stehenden bereits realisierten oder geplanten Angleichungen der europäischen Asylverfahren, die von Menschenrechtsgruppen scharf kritisiert werden , geht es jedoch auch darum, auf Parallelen zwischen beiden Grenzregimes hinzuweisen.

Mauern als Zwischenräume

Was sich hinter einer Mauer verbirgt, davon wissen wir im Regelfall nichts. Hinter einer Mauer eröffnet sich so ein imaginärer Raum für Projektionen und Phantasien, der zwischen dem liegt, was wir sehen und dem was wir nicht sehen können. Dieser Zwischenraum manifestierte sich zum Beispiel im Westfernsehen, das den DDR-Bürgern verboten war, dennoch Bilder eines Westens hinterließ, die wenig mit den Realitäten des Lebens in Westdeutschland zu tun hatten. Er bestimmte aber auch politische Diskurse in Westdeutschland, wo er Linken als Bedingung der Möglichkeit galt, etwas anderes zu denken, Rechten als Abseits, in das man kritische Geister mit der Formel „Geh doch rüber!“ stellen konnte. Dieser Zwischenraum in der Mauer existiert auch, modifiziert im europäischen Grenzregime Schengens. Wie Europa in diesem imaginären Zwischenraum aus der Perspektive von MarokkanerInnen, UkrainerInnen oder LateinamerikanerInnen aussieht, das hat mehr mit Fernsehbildern, fantastischen Geschichten und Träumen zu tun als mit Erfahrungen. Denn er-fahrbar ist der europäische Raum wegen der Mauer gerade nicht . Dabei spielt es in dieser Hinsicht kaum eine Rolle, dass die deutsche Mauer einsperrte während die europäische Mauer aussperrt. In beiden Fällen wird die Er-Fahrung des Raumes jenseits der Mauer behindert, der fantastische Zwischenraum eröffnet. Auch aus der Perspektive der europäischen BürgerInnen ist der Raum jenseits Europas schwer erfahrbar. Zwar sind TouristInnen in den Ländern außerhalb Europas als Finanzquelle willkommen, Reisebeschränkungen gibt es daher wenig. Doch gerade die touristische Erfahrung findet ebenso in einem Zwischenraum statt, der in der touristischen Werbung gezeichnet und dann durch die Ferienregionen möglichst getreu nachgebaut wird. Was hinter Sonne, Strand und exotischem Essen liegt, bleibt verborgen. Der Zwischenraum auf der europäischen Seite der Mauer kann jedoch auch mit anderen Bildern gefüllt werden. Im ihm bewegen sich die russische Mafia, islamistischer Terrorismus oder afrikanisches Chaos. Die Mauer und der imaginäre Zwischenraum auf ihrer Oberfläche wird so zu politischem Kapital von Law-and-Order Politik.

Das weitergehende Ziel der Installation ist es, auf den Charakter jeder Mauer-Grenze als Projektionsfläche, als imaginären Raum hinzuweisen.

MauernProjektionen